Erkrankungen

Eine Infektion mit HPV lässt sich heute viel leichter nachweisen als noch vor einigen Jahren. Hierzu stehen spezielle Tests zur Verfügung, die Erbmaterial von humanen Papillomviren nachweisen können. Die HPV-Infektion selbst lässt sich derzeit nicht mit Medikamenten behandeln oder anderweitig beseitigen. Es gibt aber Behandlungsmöglichkeiten für die durch HPV hervorgerufenen Erkrankungen.

Feigwarzen (Genital­warzen)

Anhand ihrer typischen Erscheinungsform können Feigwarzen meist mit dem bloßen Auge erkannt und diagnostiziert werden. Gegebenenfalls entnimmt der Arzt/Ärztin unter örtlicher Betäubung eine kleine Gewebeprobe und lässt sie unter dem Mikroskop feingeweblich untersuchen.

Eine Therapie direkt gegen die HPV-Infektion ist bisher noch nicht verfügbar. Für Erwachsene gibt es spezielle Cremes, Salben oder Lösungen zur äußeren Behandlung über mehrere Wochen. Weitere Möglichkeiten zur Entfernung der Feigwarzen sind die Kältetherapie (Kryotherapie), das Betupfen mit Trichloressigsäure, eine chirurgische Abtragung oder die Entfernung mit dem Laser (Vaporisation). Die Behandlung ist meist langwierig und eine Erfolgsgarantie gibt es nicht, da es keine Therapie gegen die HPV-Infektion direkt gibt.

Gebärmutter­hals­krebs

Krebsvorstufen des Gebärmutterhalses sind meist symptomlos und können durch die routinemäßigen Vorsorgeuntersuchungen (PAP-Abstrich oder je nach Alter kombiniert mit HPV-Testung) entdeckt werden. Ein auffälliger Befund erfordert die weitere Untersuchung mittels Scheidenspiegelung. Von verdächtigen Bereichen können dann gezielt Gewebeproben (sog. Biopsien) entnommen werden. Bei leichten und mittelschweren Zellveränderungen erfolgt in der Regel alle 3 bis 6 Monate eine Kontrolle, da sich die Krebsvorstufen häufig zurückbilden.

Haben die Zellveränderungen über ein Jahr Bestand oder liegt eine fortgeschrittene Krebsvorstufe vor, wird das veränderte Gewebe am Gebärmutterhals entfernt (Konisation). In Folge der Krebsfrüherkennungsuntersuchungen werden jährlich über 140.000 operative Eingriffe zur Diagnostik oder Behandlung krebsverdächtiger Befunde von Krebs und Krebsvorstufen durchgeführt. Betroffen sind vor allem junge Frauen im gebärfähigen Alter. Als Folge des Eingriffs kann es bei nachfolgenden Schwangerschaften unter anderem zu einem erhöhten Risiko für Früh- und Fehlgeburten kommen. Im Gegensatz zu seinen Vorstufen kann es beim Gebärmutterhalskrebs, insbesondere in einem fortgeschrittenen Stadium zu Symptomen wie z.B. abnormalen Blutungen und Schmerzen im Unterleib kommen. Die Diagnosestellung erfolgt über die gynäkologische Untersuchung. Der Gebärmutterhalskrebs ist die 4.-häufigste Krebserkrankung weltweit. Besteht der Verdacht auf ein Karzinom, wird eine Gewebeprobe entnommen und anschließend mit einem Mikroskop untersucht. Weitere Untersuchungen, um das Ausmaß der Tumorausbreitung zu beurteilen, umfassen verschiedene bildgebende Verfahren wie Ultraschall, Computertomographie (CT) oder Magnet-Resonanz-Tomographie (MRT). Die Standardtherapie früherer Stadien des Gebärmutterhalskrebses besteht aus einer Operation, in fortgeschrittenen Stadien ist in der Regel die Radiochemotherapie, eine Kombination aus Strahlen- und Chemotherapie, erforderlich.

Analkrebs

Analkrebs wird als Zufallsbefund routinemäßiger Untersuchungen, wie z.B. Darmspiegelungen entdeckt. Frühe Stadien verlaufen häufig zunächst ohne Beschwerden, jedoch mit tastbaren, aber nicht schmerzhaften Hautveränderungen. Im weiteren Verlauf sind anale Blutungen bei circa 45–50 % der Patienten das Hauptsymptom. Darüber hinaus können Schmerzen beim Stuhlgang, ein Fremdkörpergefühl, Jucken, Schleimabgang und Inkontinenz auftreten.

Bei auffälligen Symptomen erfolgt eine sorgfältige Untersuchung von After und Enddarm, wobei z.B. im Rahmen der Enddarmspiegelung auch eine Gewebeprobe entnommen und mikroskopisch untersucht wird. Außerdem kann durch eine rektale Sonographie festgestellt werden, wie tief der Tumor bereits in den Analkanal eingewachsen ist und ob angrenzendes Gewebe betroffen ist. Analtumoren, die sich nur am Rand des Afters befinden, lassen sich leichter operativ entfernen und haben insgesamt eine günstigere Prognose als typische Analkarzinome. Beide Tumorarten werden in der Regel noch vor einer operativen Entfernung mit einer Kombination aus Strahlen- und Chemotherapie behandelt, um den Tumor zu verkleinern und die Ergebnisse der Operation zu verbessern, was vielen Patienten einen künstlichen Darmausgang erspart.

Mund-Rachenkrebs

Bei Verdacht auf einen Mund-Rachenkrebs bzw. Kopf-Hals Tumor werden nach eingehender Untersuchung Gewebeproben mittels Spiegelung der oberen Luft- und Speisewege oder durch Ultraschall entnommen. Mit der Computertomographie, der Magnetresonanztomographie oder bei speziellen Fragestellungen mittels Positronen-Emissions-Tomographie kann die Ausbreitung des Tumors exakt bestimmt werden.

Bei der Behandlung von Tumoren im Mund- und Rachenraum ist es nicht nur wichtig, den gesamten Tumor, sondern auch alle Absiedlungen in die Halslymphknoten zu entfernen oder zu zerstören. Als Behandlung kommen beispielsweise eine Operation, Bestrahlung und Chemotherapie in Frage. Eine Strahlentherapie wird bei Kopf-Hals-Tumoren im Anschluss an eine Operation durchgeführt, wenn nicht das gesamte Tumorgewebe entfernt, kein ausreichender Sicherheitsabstand in angrenzendes Gewebe eingehalten werden konnte oder wenn der Tumor bereits in Lymphknoten oder andere Organe gestreut hat. In selteneren Fällen findet eine Bestrahlung vor der Operation und dann oft in Kombination mit einer Chemotherapie statt, um die Heilungschancen bei der Operation zu verbessern. Bei Kopf-Hals-Tumoren, die nicht operiert werden können, wird die Chemotherapie in der Regel ebenfalls mit einer Bestrahlung kombiniert. Beide Verfahren können gleichzeitig oder nacheinander angewendet werden.

Peniskrebs

Bei Verdacht auf Peniskrebs wird die Diagnose durch eine Gewebeprobe gesichert, die mikroskopisch untersucht wird. Mit Hilfe weiterer Untersuchungen wird geklärt, ob der Tumor Tochtergeschwülste in Lymphknoten oder anderen Organen gebildet hat. Zum Einsatz kommen bildgebende Verfahren wie Ultraschall, Kernspintomographie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT) für die Untersuchung der Lymphknoten und Organe im Leisten-, Becken- und Bauchraum. Auch Röntgenbilder der Lunge und eine Skelettszintigraphie können durchgeführt werden.

Für die Behandlung wird als erste Therapieoption die Operation gewählt, wobei der Tumor in der Regel lokal entfernt werden kann. Nur bei sehr ausgedehnten Tumoren muss der Penis amputiert werden. Bei einem fortgeschrittenen Stadium oder wenn sich Tochtergeschwülste schon im Körper ausgebreitet haben, können zusätzlich Strahlen- und/oder Chemotherapie sinnvoll sein.

Scheiden­krebs

Scheidenkrebs wird häufig als Zufallsbefund bei der gynäkologischen Vorsorgeuntersuchung diagnostiziert. Bei einem auffälligen Zellabstrich wird eine zusätzliche Lupenvergrößerungsuntersuchung (Kolposkopie) vorgenommen und eine Gewebeprobe entnommen, die dann mikroskopisch untersucht wird. Oft entstehen bösartige Tumore in der Scheide durch Ausbreitung von Tumoren aus benachbarten Organen, wie z.B. dem Gebärmuttermund, der Schamlippen, der Harnröhre oder der Harnblase. Zur weiteren Abklärung werden verschiedene diagnostische Verfahren verwendet wie z.B. die Spiegelung der Harnwege (Urethrozystoskopie) oder des Enddarms (Rektoskopie) und die Ultraschalluntersuchung der Scheide. Röntgenuntersuchungen, Kernspintomographie und Computertomographie können ebenfalls eingesetzt werden.

Die operative Entfernung des Tumors und/oder die Bestrahlung werden zur Therapie eingesetzt. Das Stadium und die Ausbreitung der Erkrankung bestimmen hierbei die Auswahl der Therapiemöglichkeiten. In einem fortgeschrittenen Stadium ist auch die Chemotherapie eine Behandlungsoption.

Scham­lippen­krebs

Schamlippenkrebs wird häufig als Zufallsbefund bei der gynäkologischen Vorsorgeuntersuchung diagnostiziert. Bei Verdacht auf Schamlippenkrebs wird der gesamte Genitalbereich und die Leistenregion angeschaut und abgetastet. Von verdächtigen Bereichen wird eine Gewebeprobe entnommen und mit dem Mikroskop untersucht, eine Lupenvergrößerungsuntersuchung (Vulvoskopie) kann die Diagnostik unterstützen. Da dieser Krebs oftmals in angrenzende Gewebe und Organe hineinwächst, sind je nach Lage des Tumors weitere Untersuchungen sinnvoll. Die Spiegelung der Harnwege (Urethrozystoskopie) oder des Enddarms (Rektoskopie) kann hierbei in Betracht gezogen werden. Aber auch Röntgen- und Ultraschalluntersuchungen, als auch Kernspintomographie und Computertomographie helfen bei der Abklärung, ob andere Organe betroffen sind.

Für die Behandlung kommt primär die operative Entfernung des Tumors in Frage. Kann in Einzelfällen nicht operiert werden, z.B. bei großer Ausdehnung des Tumors auf den Anus, kann eine Bestrahlung mit Chemotherapie vor der Operation erfolgen. Konnte der Tumor bei einer Operation nicht komplett entfernt werden, kommt eine zusätzliche Strahlentherapie nach der Operation in Betracht, vor allem dann wenn keine weitere Operation geplant ist.